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Frau beim Schreiben

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Gontran Peer: Und wir, die leben. Metalyrik – 10.06.2026

Dozwil TG | BellingsBooks Verlag 2025

von Helena Wierer

für Uni-LiLiT

 

              Kirschblüten

 

            die sich

            fallen

                     lassen –

            und wir, die leben

 

 

 

 

 

 

 

Mit diesem Gedicht in der Mitte seines gleichnamigen Bandes Und wir, die leben gibt Gontran Peer Einblick in die zentralen Themen seines Werkes. Natur und das menschliche Wesen, Vergänglichkeit und Hoffnung werden in den insgesamt 119 Kurzgedichten in wenigen Worten vereinigt.

 

Einen klassischen Handlungsstrang gibt es nicht. Vielmehr erinnern die Gedichte an verschiedene Momentaufnahmen aus dem Alltag – zumeist draußen in der Natur. Wiederkehrende Motive sind Jahreszeiten und Wetterphänomene, besonders oft kommen Mond, Regen und Schnee vor. Diesen werden zivilisatorische Elemente oder menschliche Emotionen gegenübergestellt, was sowohl Kontraste als auch Verbindungen schafft. Äste tauchen mit einem Kalenderblatt auf, Regen mit menschlichen Gemütern. In vielen Gedichten schwingt eine pessimistische Weltansicht mit, in der das lyrische Ich zu vergessen und zu verzweifeln scheint. Trotz Umbruch und Schmerz bleibt das Gesamtbild der Welt aber hoffnungsvoll. So wird doch auch immer wieder vom Leben, der Liebe und dem religiösen Glauben als Anhaltspunkt gesprochen.

 

Die Kurzgedichte sind nach ihren Überschriften alphabetisch angeordnet. Auf die Titel, die meist Bestandteil des Gedichts selbst sind, folgen vier bis fünf Zeilen. Nicht selten bestehen diese nur aus einem einzigen Wort, sind versetzt abgedruckt und durch Bindestriche abgetrennt, die den Sprung von einer Momentaufnahme zur nächsten symbolisieren. Interpunktionen werden häufig, aber nach keinen strengen Regeln genutzt, Wortkompositionen und bedeutungsstarke Begriffe werden, ohne sich zu reimen, zusammengebracht.

 

Die formalen Auffälligkeiten sowie die starke Naturverbundenheit sind auf japanische Kurzgedichtsformen, insbesondere das Haiku, zurückzuführen, dem der Autor schon mehrere Publikationen gewidmet hat.

 

Der Untertitel „Metalyrik“ verweist auf eine besondere Funktion der Kurzgedichte. Metalyrik, also die Lyrik auf einer Metaebene, zielt nicht darauf ab, die Welt zu beschreiben, sondern vielmehr zu verstehen, wie die Welt wahrgenommen wird. Es ist eine Art der Lyrik, die über sich selbst, über Sprache und Wirklichkeit sinniert, was in den Gedichten Peers wiedergefunden werden kann. Der Autor beschreibt nicht die Realität – er beschreibt ihre subjektive Interpretation.

 

Die große Stärke des Bandes liegt in der gedanklichen Dichte. Mit wenigen, aber sehr bildhaften Worten eröffnet Peer zahlreiche Deutungsmöglichkeiten und regt zur Reflexion an. Hinter kleinen, alltäglichen Momentaufnahmen stecken große Fragen zum Sinn des Lebens, der menschlichen Seele und Spiritualität. Das macht die Lektüre anspruchsvoll, da sie ein Deuten, Hinterfragen und Weiterdenken voraussetzt. Wer Klarheit, eine fassbare lineare Handlung oder ausführliche Beschreibungen erwartet, wird hier enttäuscht bleiben.

 

Insgesamt ist Und wir, die leben ein formal auffälliger und tiefgründiger Gedichtband, der ganz nach dem Motto „Lyrik inspiriert und bewegt“ mit knappen Beschreibungen viel ausdrückt und noch mehr zum Denken anregt. Das Werk beinhaltet typische Merkmale des japanischen Haiku und der Metalyrik – zwei lyrische Formen, die im tirolischen Literaturkreis eher selten vertreten sind. Was auf einige abgehakt und irritierend wirken könnte, wird andere auf eine intensive Reise durch die Natur und zu den Menschen führen, die trotz allem Schlechten und Unsicheren ein gutes Ende nimmt.

 

Nähere Informationen zu Gontran Peer im Literaturlexikon unter https://literaturtirol.at/lexikon/163310.06.2026,       Quelle: LiLiT, https://literaturtirol.at/lilit/und-wir-die-leben-metalyrik-10-06-2026

Ein Beitrag im Rahmen von Uni-LiLiT: Literaturstudierende der Universität Innsbruck berichten über die Innsbrucker Literaturszene und darüber hinaus. (Der Text entstand im Zuge der Lehrveranstaltung „Hochkultur oder Provinzliteratur? Literarisches Leben in Tirol und Südtirol vom 19. Jh. bis zur Gegenwart“, gehalten von Irene Zanol im SoSe 2026.)

Rezension _Und wir, die leben_ im Pappelblatt Mai 2026.png

Rezension im Pappelblatt Nr. 37, Mai 2026

Selina Goldi has created culinary magic with her new cookbook Mad Geese and Tipsy Damsons, Culinary Letters from Rural France. It is a dreamy escape into the heart of Burgundy where she shares four seasons of beautiful recipes that are both unique and deeply rooted in French tradition. Each page feels like a gentle stroll through the French countryside with enchanting photographs, charming stories and dishes you won't find in typical cookbooks. From Cabbage Choucroute with Montbéliard Sausages, Soufflé Mirabelle with a dash of schnapps to the White Chocolate Mousse with Minty Strawberry Salad, her creations are as beautiful as they are delicious, evoking a way of life that's elegant, slow and full of warmth. This stunning book is more than a collection of recipes, it's an invitation to live beautifully, one meal at a time.

Katherine Burns

“What an absolute JOY it is to read the stunning cookbook “Mad Geese and Tipsy Damsons.” You will feel transported body and soul to the French countryside - and that’s before cooking anything! The photography is exquisite and left me hungry at every page turn! The storytelling behind the wonderful recipes feels like a beloved friend from another lifetime is telling you of grand adventures and all you too will experience when you finally take that trip out to visit! I was charmed and delighted throughout and cannot recommend this cookbook highly enough for either kitchen enthusiast, Francophile or lover of great food! And now - if you will excuse me - I have work to go do in the kitchen with Selina!!!”

Tath Ray Ashcraft

Mystik und Lebendigkeit

 

DunstLicht

 

Martin Streitberger ist gelernter Biologe und literarischer so wie zeichnerischer Autodidakt. Wobei wohl jeder Autor das Schreiben nicht durch äußere Vorgaben erlernen kann, sondern nur durch die unaufhörliche Beschäftigung mit Literatur und fleißigem Schaffen. Zumal die Dicht- und Denkschulen heutzutage zeitgeistig aufgeplustert mit Moderne-Ideologie vollgesogen vor sich hin quieken.

Wohltuend dann ein Gedichtband wie der vorliegende. In ihm wird Descartes Trennung von Körper und Geist reflektiert, wobei nicht unerwähnt bleibt, dass selbst Descartes an ein Ewiges (Gedächtnis) glaubte, das nichtmateriell wirkt.

Der Mensch kann unmöglich jenseits der Natur leben, allem rigide Abstraktem erteilt Streitberger eine griffige Absage. Das Mystische existiert in der Welt, funkelt jedoch meist nur am Rand von alltäglichem Überlebensk(r)ampf auf. Die Seele ist ein schwierig zu erfassendes Etwas, doch alleine schon die Befassung mit diesem Thema hebt den Autor von (post-)modern nihilistischem Negativkitsch angenehm ab. Das Gedicht „daheim" etwa liefert eine kleine Zusammenschau: „lerchen trillern luft in licht strahlen / verblassen sie für dich / trotzdem sehe ich die wurzeln des baumes / riech die erde und gerade / die kost ihrer arbeit und / vergesse zu hören den tag wie die nacht / blass denn der hohe gesang aus feiner kehle / um zu gehen den kleinen wellen gleich wie // am see als ob sie was besonderes wären".

Oder aus dem Gedicht: „was nicht da ist": „oder

// luft und wasser // fliegen und

ein traum gleitet...".

 

Schön auch, dass es Verlage gibt, die sich solch Literatur noch / wieder annehmen.

 

Manfred Stangl

 

Martin Streitberger: „DunstLicht", 

BellingBooks Verlag, Schweiz 2024,

Tb, 128 S, ISBN: 978-3-907314-15-9

 

Rezension im

H.NR.34/2025

PAPPELBLATT Seite 65

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